Das deutsche Internet soll in die Bibliothek

Sep 30

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Die Politik in Deutschland wird auch immer verrückter und praxisferner. Laut einem Bericht in der HAZ ist am 22. Juni 2006 ein Gesetz in Kraft getreten, mit dem das deutsche Internet für die Nachwelt archiviert werden soll. Ansich eigentlich keine schlechte Idee. Nur ist die genaue Umsetzung doch sehr fern der Praxis.

Denn nach den Buchstaben dieses nun geltenden Werkes ist künftig jedermann aus Deutschland, wenn er Internet-Seiten veröffentlicht, dazu verpflichtet, sie zustzlich bei der Nationalbibliothek in Frankfurt am Main abzuliefern – und zwar binnen einer Woche, auf eigene Kosten, vollständig. Bei Zuwiderhandeln drohe eine Ordnungswidrigkeit von bis zu 10.000 Euro

Doch gerade bei dynamischen Websites, wozu unter anderem Nachrichtenseiten, gut besuchte Foren und auch Weblogs gehören, ist eine Archivierung nur sehr schwierig und mit erheblich Aufwand möglich. Schlielich ändern sich die Websites teilweise minütlich. Und soll ich jetzt minütlich ein Schnappschuss meiner Website nach Mainz schicken?

Außerdem, wo soll das ganze eingehende Material gespeichert werden? Selbst Google stäßt mit seinen 6580 Mitarbeitern und über 10.000 Servern schon an seine Grenzen. In Deutschland sollen dies gerade einmal 21 bis 28 Mitarbeiter mit einem jährlichen Budget von 1,9 mit 2,9 Millionen Euro bewerkstelligen. Aber die Deutschen haben ja schon immer unter Größenwahn gelitten – so hat man jedenfalls das Gefühl.

Interessant ist auch wann dieses Gesetz verabschiedet wurde:

Beschlossen wurde das Gesetz am 22. Juni 2006: Das war zwei Tage vor dem Achtelfinale der deutschen Mannschaft bei der Fußball-WM gegen Schweden. Im Taumel der WM erschien das Gesetz im Bundesgetzblatt eine Woche später, zwei Tage vorm Viertelfinale gegen Argentinien.

Na, wenn das mal keine Absicht war.

Solche Gesetze die in technische Bereiche hineinreichen dürften eigentlich nicht mehr von Politikern jenseits der 50 Jahre beschlossen werden, da diese einfach zu fern jeglicher Praxis sind. Aber das wissen die dort oben ja leider nicht.

Auch gut ist der Bericht bei der Süddeutschen Zeitung

Via Webmaster Blog

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Ich bin Christian Beier, 25, ausgebildeter Mediengestalter, Usability-Experte und Ruby on Rails Entwickler aus Potsdam/Berlin.
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